24.05.2016

P R E S S E M I T T E I L U N G

Murschel: „Bundesweit einmalige Pirschgänge auf US-Truppenübungsgelände bei Böblingen werden gesichert“

Als eine seiner letzten Amtshandlungen als Betreuungsabgeordneter für den Wahlkreis Böblingen hat der Leonberger Abgeordnete Dr. Bernd Murschel sich für die Sicherung der historisch einmaligen Pirschgänge, als Zeugnis historischer Jagdkultur, auf dem US-Truppenübungsgelände eingesetzt.

In der Antwort des Ministeriums für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg  werden die Lösungsansätze zur dauerhaften Sicherung der Pirschgänge skizziert. Demnach werden Spezialisten für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart sich in Kürze zunächst der Sicherung und restauratorischen Behandlung der Inschrifttafel am Eingang zu den Pirschgängen annehmen. Das Regierungspräsidium wird weiter auf die Stadt Böblingen zugehen, um nach Möglichkeiten zu suchen, dass Kulturdenkmal in eine zuschussfähige, städtische Trägerschaft zu überführen.

Murschel: „Damit können die in Besitz des Bundes befindlichen Pirschgänge in die Denkmalförderung des Landes aufgenommen werden!“ Weiter wird aktuell geprüft welche Synergieeffekte sich für die Ziele von Denkmal- und Naturschutz ergeben könnten, beispielsweise in Hinblick auf die Funktion auf die noch erhaltenen Pirschgänge für Fledermäuse.

Die notwendigen Maßnahmen zur dauerhaften Sicherung des Kulturdenkmals erfolgt in enger Abstimmung mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und dem Landesamt für Denkmalpflege. Murschel: „Ich würde es sehr begrüßen, wenn sich Bund, Land und die Stadt Böblingen verständigen, insbesondere in der Frage der Übertragung der Trägerschaft, damit dieses bemerkenswerte Zeugnis der Jagdkultur für noch viele Generationen erhalten bleibt.“

Hintergrund: Herzog Carl Alexander von Württemberg ließ im Jahr 1737 auf dem Plan bei Böblingen – einem Äsplatz für Hirsche – sogenannte Pirschgänge angelegen. Diese weitläufigen, überwiegend unterirdisch verlaufenden, gewölbten Laufgänge sind Zeugnisse einer landesherrlichen Jagdkultur wie sie am württembergischen Hof gepflegt wurde. Errichtet wurden die Pirschgänge von Baumeister Nikolaus Kraft unter dem damaligen Oberforstmeister zu Böblingen Carl Magnus von Schauroth. Eine Inschrifttafel am nördlichen Eingang der Pirschgänge erinnert hieran. Herzog Carl Alexander war für seinen aufwendigen Lebens- und Hofhaltungsstil bekannt und „perfektionierte“ die Jagdkultur an seiner Residenz mit diesen Pirschgängen. Sie ermöglichten es ihm, getarnt und unabhängig von der jeweiligen Windrichtung auf der Hochfläche dem Wild zu folgen.

Nach dem heutigen Wissensstand sind diese Pirschgänge einzigartig in Deutschland. Nur eine Anlage in der Nähe von Jena ist nach Kenntnis der Landesdenkmalpflege vergleichbar mit den Böblinger Pirschgängen. Diese wurden zwar bereits in der Oberamtsbeschreibung von 1850 erwähnt, gerieten allerdings erst wieder in den 1970er Jahren in den Fokus der Denkmalpflege. Die Ursache hierfür liegt in erster Linie darin, dass durch die Einrichtung eines militärischen Übungsgeländes im Jahr 1936 und dessen Fortführung nach 1945 durch die US-Armee, Öffentlichkeit und Fachbehörden nur geringe Kenntnisse über die Pirschgänge beziehungsweise ihren tatsächlichen Zustand hatten.

zurück

URL:https://murschel.de/archiv/2016/expand/614995/nc/1/dn/1/